Und schon wieder ein neuer Eintrag (wie gesagt, Internet geht nicht und ich bin alleine, ergo keine Arbeit).
Meine Mitbewohnerin und –praktikantin Assia (die ist vor etwa einer Woche angekommen, da meine Chefin ab jetzt immer zwei Praktikanten in der AHK haben möchte, die sich gegenseitig ergänzen) hatten an diesem Wochenende ein paar Eindrücke, die bestätigt haben, dass wir uns in einem Dritteweltland befinden. Los ging es am Freitag, als kurz nach 11h (meine ich) auf einmal laute Rufe zu hören waren. Neugierig, wie ich nun einmal bin, wollte ich natürlich gleich nachschauen, was los ist. Aber meine Chefin meinte, wir sollten doch bitte vom Fenster und am besten gleich von unseren Schreibtischen weg (die stehen in der Nähe des Fensters) und in den hinteren Teil des Büros gehen. Kurz nachdem wir das gemacht hatten, wurden noch ein paar Leute in das Centro gescheucht und dann die großen hölzernen Türen geschlossen. Unsere Tür war zusätzlich noch abgeschlossen. Die erste Theorie zum Geschehen, die wir hörten, war, dass sich Tourismus-Syndikate bekämpfen würden. Die Leute, die von der Straße reinkamen, sagten uns aber, dass es Gruppen des Rehabilitierungsprogramm von Drogensüchtigen wären, die sich nach einer Demonstration gegenseitig mit Steinen bewerfen würden. Unsere Chefin hat uns dann erzählt, dass das Programm von der Regierung eingerichtet wurde, aber im letzten Jahr ziemlich im Stich gelassen wurde. Gelder sind nicht auf Konten überwiesen worden, Zentren geschlossen und so weiter. Deshalb haben die Teilnehmer am Freitag demonstriert. Nur leider haben sich Subgruppen gebildet, die dann aufeinander losgegangen sind. Vom Fenster sollten wir weg und die Türen wurden geschlossen, weil bei solchen Straßenschlachten auch leicht mal Schüsse fallen können (ein ganz großer Teil der Bevölkerung besitzt Handfeuerwaffen) und durch diese schon mehrere Kinder gestorben sind, die am Fenster gestanden hatten. Während wir also hinten im Büro standen, hörten wir, wie die Polizei mit Blaulicht ankam – und kurz darauf sahen wir auch, wie einige Menschen (am Fenster vorbei) die Straße runterliefen. Also so richtig Flucht vor der Polizei. Das war schon krass.
Weil das ja noch nicht genug war, hat der Samstag sich auch noch einmal Mühe gegeben, einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Los ging es damit, dass die USA im Achtelfinale gegen Ghana verloren haben. Da hatte ich schon gleich nicht die beste Laune ;) Assia, Pascal, Lilly und ich hatten dann beschlossen, etwas zusammen zu kochen (beziehungsweise sollte ich kochen, mein bzw. Mamas Thai-Curry). Also sind wir nach dem Spiel zum Supermarkt gegangen, haben alles mögliche eingekauft und haben uns auf den Weg zu unserer Wohnung gemacht. Wobei, eigentlich muss man sagen, dass wir zunächst etwa 20 Minuten hinter dem Kassenbereich des Supermarktes gewartet haben, da es in Strömen goss. Kleine Nebenbemerkung: Leute denken ja immer, dass in der Dominikanischen Republik, da sie in der Karibik liegt, immer super Wetter ist. Pustekuchen! Eigentlich fast die ganze letzt Woche hat es immer wieder total gegossen. Das waren Wolkenbrüche sondergleichen! Mittwoch bin ich vollkommen durchnässt zur Arbeit gekommen – ich hatte zwar einen ziemlich großen Regenschirm, aber der Wind hat die Regentropfen von der Seite gegen meinen Rock gedrückt, so dass ich ihn in der AHK angekommen erst einmal auswringen konnte. Zum Glück hatte ich einmal einen Rock dort gelassen, so dass ich etwas zum Wechseln da hatte. Die Straßen sind bei diesen Regenstürmen auch innerhalb von 5 Minuten wenn nicht ganz, dann an den Bordsteinen überschwemmt, so dass das Straßeüberqueren zu einem echten Sport werden kann. Dementsprechend schwappte das Wasser dann auch schön in meinen Turnschuhe hin und her – selbst nachdem ich sie mit Zeitungspapier gestopft hatte, waren sie nach 8 Stunden immer noch leicht nass. Bäh. Gut, aber zurück zum Thema. Wir sind dann irgendwann doch im Regen aufgebrochen, da es nicht so aussah, als würde es besser werden und wir endlich nach Hause wollten. Auf dem Weg lief auf einmal ein Typ hinter uns her. Da haben wir uns zunächst nichts bei gedacht. Auf einmal schnappte er sich jedoch Pascals Einkaufstüte (wir liefen zu dritt hintereinander her, Pascal war der letzte) und lief weg. Yup, uns wurde das Essen geklaut. Es war (natürlich) auch die vollste Tüte, mit dem Hähnchen, dem Gemüse, der Nachspeise und zwei 0,375-Flaschen Rum. *seufz* Wir hatten also nichts zu Hause zu Essen außer Reis, dafür zwei Liter Milch, eine Dose Kokosmilch, Ananas- und O-Saft und eine Flasche Wein. ^^ Naja, wir haben uns dann Chinesisch bestellt und uns gesagt besser so, als wenn uns die Handtasche, Kamera und/ oder Portemonnaie geklaut worden wären. Und der Sonntag hat dann zumindest einen Teil wieder wett gemacht: Deutschland hat England mit 4:1 (oder 4:2, wie man’s nimmt) platt gemacht, es hat nicht so viel geregnet (teilweise sogar die Sonne geschienen) und wir sind am Strand und im Meer gewesen. Das war ganz nett. Ansonsten wurde ich wieder in meiner Überzeugung bestätigt, dass puertoricanische Mofongos 1000x besser sind als dominikanische. Die hiesigen sind zu trocken, da ohne Saucenfüllung (das Fleisch ist direkt mit eingebacken), und einfach nicht so lecker.
Kurzer Katzennachtrag: Die beiden sind irgendwie von den Schnürsenkeln meiner Turnschuhe, meiner Schuh-Tüte und meinen Socken fasziniert, letztere hat Goliath eben schon durch die Gegend getragen.
So, jetzt ist auch Feierabend, Brasilien hat (leider, natürlich) gewonnen, schauen wir mal, ob ich morgen was gucken kann.
Cathi
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